Marco Pierre White und Jamie Oliver werden wohl keine Freunde mehr. Waren sie auch nie, der eine ist als jüngster Koch mit drei Michelin Sternen ausgezeichnet worden, der andere hat keinen, lächelt aber aus jedem Fernseher weil irgendein Sender gerade seine Kochshows ausstrahlt.

Jamie Oliver hat vor ungefähr sechs Jahren eine Kampange für gesünderes Essen in britischen Schulen ausgerufen. Dabei er wurde dabei von Kameras begleitet als er in einem Schulbezirk die Menüs komplett umgekrempelt hat und gesünderes Essen eingeführt hat. Als “Jamie’s School Dinners” wurde eine mehrteilige Reportage darüber ausgestrahlt, unter anderem auch im deutschsprachigen Fernsehen.
White hat das damals als Eigenwerbung abgetan, aber nun zwischenzeitlich selbst ein Projekt vorgelegt, Schulen mit Essen zu versorgen. Professionelle Köche sollen in Absprache mit Kindern und Eltern ein Menü kochen, das von großen Catering Firmen an mehrere Schulen verteilt wird. Den Disput der beiden beschreibt eine Artikel im Guardian genauer.
Mitspracherecht bei der Essensauswahl so wie White es vorschlägt, schon und gut, aber was werden Kinder wohl auswählen wenn sie nur frittierte Nuggets aus gepressetem Hühnerfleisch kennen und aber nicht wissen wie Lauch aussieht. Man kann von Jamie Oliver halten was man will, man kann seine Rezepte mögen oder nicht, aber seine Bemühungen für gesundes Essen in Schulen muss man ihm hoch anrechnen.
Zucker in Form von Cornflakes zum Frühstück, Frittiertes aus der Großküche zu Mittag und eine Fertigpizza am Abend, wie sollen da die Kinder lernen wie leicht man Lebensmittel selbst zubereiten kann und das es viele mehr an Geschmack gibt als Fertigpampe aus der Plastikschale. In Österreich ist es vielleicht noch nicht so schlimm wie in England, aber der Trend geht meiner Meinung nach immer mehr in diese Richtung, wenn sogar Spitzensportler Werbung für Fertiggerichte machen.
Wenn man Kindern nicht zeigt, wie gut ein Brot mit hartgekochtem Ei oder mit Radischen schmecken kann, wie sollen sie später mal auf die Idee kommen dies zu probieren? Wenn man nur die immer gleiche Extrawurstsemmel angeboten bekommen, sie soll man dann später selbst mal probieren wie gut ein Dachsteinbrot mit Cottage Cheese schmecken kann? Über solche und noch viel mehr Beispiele könnte ich mich noch viel länger auslassen, weil ich einfach selbst viel zu gerne in der Küche stehe und koche. Solche Dinge und ein Augenmerk auf qualitativ hochwertige Produkte aus nachhaltiger Produktion müssen einfach ganz dringend von Klein auf vermittelt werden. Wenn die Eltern dazu, aus welchen Gründen auch immer keine Zeit haben, dann muss das einfach auch von Seiten des Bildungssystems erfolgen. Es liegt doch auch im Interesse des Staates Ausgaben für Behandlungen aufgrund von Mangelernährung zu vermeiden oder lieber die regionalen Bauern zu unterstützen anstatt dass bei Internationalen Großkonzern gekauft wird, bei denen die Wertschöpfung sicher nicht in Österreich liegt.
Frankreich überlegt zum Beispiel eine Kennzeichnungspflicht für Speisen in Restaurants bei denen Fertigprodukte verwendet werden. Das finde eine sehr gute Idee. Natürlich geht es da jetzt nicht um Tiefkühlgemüse, sondern viel mehr um den Topfenstrudel der tiefgefroren aus der Großbäckerei kommt und im Falle einer Bestellung nur noch in die Mikrowelle wandern muss.
Vielleicht werden Produkte dadurch teurer, mag sein, aber seien wir uns ehrlich, wenn man dafür auch ein mehr an Geschmack bekommt, nimmt man das doch gerne in Kauf, vorallem wenn man seinen Kindern kein Übergewicht oder Typ 2 Diabetes verpassen will.

4 Nachrichten zu “White vs. Oliver im Kampf ums Essen”
Ich hatte gestern mit einem Freund ein Gespräch über fast das selbe Thema.
Es ging um den Trend zu Convenience Food und Imbissen (Pizza, Kebab, Asia Nudeln). Oft wird einfach damit argumentiert, dass man nach 8-10 Stunden im Büro/Uni einfach keine Zeit und Lust mehr hat lang und aufwendig zu kochen.
Ein weiterer Trend sind dann natürlich Kochsendungen – die vermitteln aber für das oben vermittelte Problem (wenig Zeit) oft einfach die falschen Rezepte. Jeder weiß durch eine Kochsendung wie man ein Hummerschaumsüppchen oder Thunfischfiltes auf Grapefruitreduktion mit schwarzen Nudeln zubereitet. Nur hat man eben seltens die dafür benötigten Zutaten zu Hause oder die Zeit/Lust 2 Stunden am Abend zu kochen.
Und eigentlich sollte ja um Fertigprodukte einzudämmen gezeigt werden wie schnelle und einfache Gerichte gehen. Denn die meisten (oft jungen Leute in ihrer ersten Wohnung) wissen nicht wie schnell man eigentlich eine selbstgemachte Pastasauce, Erdäpfelgulasch oder einen Auflauf machen kann. Oder eben wie gut das von dir erwähnte Brot mit Radischen schmeckt.
Es gibt ja von Jamie Oliver diese 20-Minuten Gerichte. Sind natürlich nur selten so schnell fertig, aber meistens eben schon eher simpel. Ich hab die als App auf meinem Smartphone und hab schon einige Rezepte draus gemacht (zugegeben, ausprobieren tu ich sie eher am WE, an Wochentagen mach’ ich dann schon eher Dinge die ich auswendig kann, das spart auch Zeit).
Um ehrlich zu sein, nach einem langen Arbeitstag fehlt mir auch die Motivation – zumind. nur für mich – zu kochen, aber deshalb Fertiggerichte zu kaufen kommt mir nicht in den Sinn.
Eher schon und das geb ich offen zu greife ich da zu Convenience Food, das ich aber noch weiter verfeinere.
Die Idee hinter Convenience Food ist ja nicht schlecht, das gibt es mit Tiefkühlgemüse, Bohnensalat oder Linsen aus der Dose schon seit ewig.
Das dazu jetzt vorgeschnittenes Obst oder Salat dazu kommen war irgendwie ein logischer Schritt. Wenn der Konsument den Mehrpreis so einfach mitzahlt warum nicht.
Danke für den Artikel! Ich muss zugeben, dass ich Jamie Oliver schon immer mochte, und seis nur, weil er’s schafft den Leuten Lust aufs Kochen und echtes Essen zu machen. Dass er keinen Stern hat ist mir da auch ganz schön egal